Samstag, 8. September 2012

Lücken im Wortschatz?

Gerade habe ich einen interessanten Kommentar von Herbert Scheuring entdeckt den ich hier zum besten geben möchte: Lücken im Wortschatz?

Unterm Strich: Lücken im Wortschatz

Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch findet den Begriff Shitstorm gut, weil er eine „Lücke im deutschen Wortschatz“ schließe. Ein Shitstorm ist eine Welle der Kritik und des Spotts, die sich in sozialen Netzwerken und Blogs über bestimmte Personen oder Institutionen ergießt. Kritiker des Begriffs Shitstorm stören sich nicht nur an dem englischen Wort als solchem, sondern auch an seinem ordinären Charakter. Daher stellt sich die Frage: Kann man den Sachverhalt, also jetzt ohne Scheiß, anders benennen? Man könnte statt Shitstorm zum Beispiel Welle der Empörung oder Sturm der Entrüstung sagen. Aber viele tun es nicht.
Viele sagen ja auch nicht mehr Treffen, sondern Meeting, und das gemeinsame Essen, ich prophezeie es Ihnen, wird bald Eating heißen. Dann wird man wichtige Leute sagen hören: „Ich muss nach dem Meeting zum Eating.“ Dabei könnte man alles auch auf Deutsch ausdrücken und zum Beispiel statt Feedback Rückmeldung und statt Johnny Cash einfach Johann Bargeld – alle Mann zurück, schlechtes Beispiel – statt Brainstorming Ideensammlung sagen. Wenn man keine Lücken im deutschen Wortschatz hätte.
Neben Brainstorming gibt es übrigens als neuesten Trend Brainwalking, und auch für den Mittagsschlaf haben Experten jetzt endlich ein besseres Wort gefunden: Power Napping. Ich aber sage Ihnen, dass auch das Wort Steam Talker – das habe ich gerade erfunden – eine Lücke im deutschen Wortschatz schließt. Sonst müsste man ja Leute, die Begriffe wie Shitstorm, Power Napping oder Brainwalking für unentbehrlich halten, Dampfplauderer nennen.
(Herbert Scheuring in der Main-Post vom 07.09.12)

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